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14.07.2026

Wenn Weiterbildung mehr verändert als den Lebenslauf

Digital Marketing Managerinnen erzählen

Zwei Absolventinnen erzählen, was es mit einem macht, wenn man sechs Monate lang die Schulbank drückt und Digital Marketing Managerin wird. 

Es beginnt mit einer Kiste im Buchladen. Johanna hebt sie, wie sie hundert Kisten gehoben hat, und dieses Mal zieht es in der Leiste. Die Kundschaft ist laut, die Bezahlung dünn, der Stress hoch. Und genau dort taucht ein Gedanke auf, den viele kennen und die wenigsten aussprechen: So nicht mehr. 

Anna sitzt zur gleichen Zeit an ihrem Schreibtisch, und um sie herum fliegen die Begriffe KI, Algorithmus, organic. Sie könnte sich tausend YouTube-Videos anschauen. Sie hat es versucht. Danach weiß sie immer noch nicht, was davon eigentlich stimmt? 

Zwei Frauen, ein Kurs und ein Gespräch über ihre Erfahrungen am Digital Campus Vorarlberg.

Digital Marketing Manager:innen

Was war der Auslöser? Niemand steht am Morgen auf und denkt: Heute buche ich mir einen Marketing-Kurs. 

Johanna: Ich hatte zwei Anstellungen, Social Media für ein Modegeschäft und dazu den Buchladen. Irgendwann habe ich mir gedacht: Wieso mache ich es nicht einfach anders? Wieder ein bisschen kreativer, in eine andere Richtung. Ich habe ein bisschen gesucht und bin beim Digital Marketing gelandet. Dann habe ich mit meiner Chefin im Buchladen geredet und sie hat gesagt: Johanna, tu es jetzt! Da habe ich gesagt: Ok, passt. In dem Fall kündige ich gerade alles. 

Und dann? 

Johanna: Dann habe ich alles gekündigt. Es war ohnehin eine Zeit, in der bei mir wahnsinnig viel los war. Irgendwann denkst du dir: Jetzt brauche ich einfach mal einen guten Break. Jetzt mache ich etwas, das mir etwas bringt, und nicht wieder etwas, wo ich mich nur verausgabe. 

Anna, bei dir klingt das ganz anders. 

Anna: Bei mir war es kein Moment, bei mir war es ein Dauerzustand. Ich habe früher schon viel mit Grafik gemacht, kreative Sachen, in der Assistenz, in Projekten. Und dann bin ich im Job in eine Abteilung gekommen, wo klar war: Du kümmerst dich jetzt auch um Marketing. Ich hatte so ein Fear of not knowing. Du wirst ja bombardiert. KI, Algorithmus, Organic, diese ganzen Sachen. Und ich hatte immer das Gefühl: Ich kann nicht genug. Ich verstehe es nicht ganz. Das hat mich überfordert, dieses da mal was und dort mal was. 

Und trotzdem hat es gedauert. 

Anna: Ich habe den Kurs zweimal verschoben. Zweimal wollte ich ihn machen und habe mich nicht drübergesehen. Dann war Sommer und irgendwie habe ich gedacht: Jetzt passt es. Jetzt traue ich mich. 

Warum kein Online-Kurs? Das wäre bequemer gewesen. 

Anna: Weil ich fragen können wollte. Ich wollte reale Personen, die Expertinnen und Experten sind. Leute, von denen ich das Gefühl habe, die sind hier in Vorarlberg wirklich Fachleute für diese Themen. Und dass ich nachher nicht mehr überlegen muss, ob das, was ich mache, überhaupt State of the Art ist. 

Johanna, ging es dir wirklich ums Digital Marketing? Oder war da etwas Größeres am Werk? 

Johanna: Ich war immer Autodidaktin. Texte, Fotografie, viele Ausbildungen. Aber alles habe ich mir selbst erlernt. Für mich war es diesmal: Jetzt habe ich etwas in der Hand. Etwas Fundiertes. Und was da mitkommt, ist eine extreme Tiefe an Wissen, die du für dich gar nicht immer aktiv brauchst, die mir aber total viel Sicherheit gibt. Es dauert nicht jahrelang, wie ein Studium, sondern man bekommt in kurzer Zeit intensives Wissen aus der Praxis. 

Dann sitzt man da und bekommt sehr viel Wissen um die Ohren gehauen. Wie hat sich das angefühlt? 

Johanna: Immer wieder hat es sich verschoben. Es hat sich entwickelt, dann hat es sich gesetzt. Du wirst vollgefüttert, du bist wie ein Schwamm, nimmst auf, dann wringst du dich aus, dann sortierst du. Immer wieder Up and Down, weil es extrem viel Input aus extrem verschiedenen Richtungen ist. Wenn mich heute jemand etwas fragt, antworte ich ganz anders als vor dem Kurs. Du kriegst die ganze Bandbreite mit und irgendwann verstehst du, was wirklich sinnvoll ist an Strategie und was das Ziel ist. 

Anna: Bei mir ging es auch immer wieder hin und zurück, weil sich die Sachen überschnitten haben und die Dinge erst langsam zusammengekommen sind. Das ist bis heute so. Ich baue gerade mein Portfolio auf und muss mich wieder damit beschäftigen. 

Johanna: Mein Hirn ist normalerweise um acht am Abend im Feierabend. Und plötzlich war es bis zehn voll da. Am Anfang habe ich kaum schlafen können, bin erst um zwölf eingeschlafen, weil es immer noch weitergedacht hat. Ich war ja trotzdem im Arbeitsprozess und mit Familie. Aber es hat mir getaugt, weil es mich so bewegt hat. 

Das klingt weniger nach Kurs als nach innerem Umbau. 

Johanna: Es macht brutal Platz, das ist es. Ganz unabhängig vom Digitalen. Ich habe im Kurs extrem viel Klarheit schaffen können: Welche Projekte sind sinnvoll, welche nicht, was habe ich längst erledigt, was brauche ich gar nicht mehr. Die Struktur vom Kurs hat etwas mit mir gemacht. 

Anna: Für mich war es beruflich parallel eine sehr fordernde Zeit. Trotzdem habe ich kaum gefehlt. Ich wollte gerne hin, um zu lernen. Außerdem hat mir unsere Gruppe im Alltag Halt gegeben. Die war einfach cool, wir haben es so lustig gehabt, jeder hatte Bock auf die anderen, und dabei waren die Leute so unterschiedlich. 

Letzte Frage: Ist dieser Kurs ein Abschluss oder ein Anfang? 

Anna: Beides. Einerseits bin ich froh, dass ich nicht mehr Dienstag und Donnerstag von sechs bis zehn dort sitze. Andererseits geht es mir ab. Ich lerne weiter. Und ich suche gerade eine neue berufliche Herausforderung, in die ich das alles reinlegen kann. 

Johanna: Ein Anfang und ein Ende zugleich. Und ein Weiterlernen. Ich habe schon während der Ausbildung einen neuen Job bekommen und kann jetzt neu durchstarten. 

Danke an Johanna und Anna für ihre Offenheit. Wir wünschen euch alles Gute für das, was jetzt kommt. 

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