Sandra Buchrainer (41) ist Lehrerin und KI-Trainerin. Sie schult Vorarlbergs größte Unternehmen im Umgang mit künstlicher Intelligenz und beobachtet dabei, wie eine Region im Wandel lernt.
Der Tag, an dem künstliche Intelligenz in Vorarlbergs Betriebe einzieht, beginnt nicht mit einem Paukenschlag. Er beginnt mit einer Schulung, einem Laptop, einem Raum voller Menschen und der Frage, was das alles eigentlich bedeutet.
Sandra hat zwei Jobs. Mal steht sie vor einer Schulklasse, mal vor Mitarbeitern eines Vorarlberger Großunternehmens. In beiden Fällen geht es darum, Menschen etwas beizubringen, nur dass es in einem Raum um Grammatik geht und im anderen um Copilot. Von der Textilindustrie bis zum Seilbahnbau, von traditionsreichen Weltkonzernen bis zu Betrieben, in denen das Wort „KI" noch fremd klingt.
Monatlich trudeln bei ihr Anfragen ein. Die Unternehmen wollen einen Workshop, irgendetwas mit KI, möglichst bald. „Die Struktur fehlt noch ein bisschen", sagt sie. „Viele wissen noch gar nicht genau, was sie gerne hätten und was alles möglich ist."
Was sie sieht, ist ein breites Spektrum. Da sind die Mitarbeiter, die noch nie von ChatGPT gehört haben, neben jenen, die längst eine kostenpflichtige Version nutzen. Da sind Großunternehmen, die KI-Leitlinien eingeführt haben: Wer eine Copilot-Lizenz bekommt, muss vorher die Schulung absolvieren. Andernfalls: keine Lizenz. „Das finde ich einen guten Ansatz", sagt sie. „Der Mitarbeiter:innen lernen gleich mit dem Tool der Wahl umzugehen."
Andere Betriebe schnüren ihre Richtlinien so eng, dass das eigentliche Potenzial der Technologie kaum ausgeschöpft werden kann. Datenschutz ist der häufigste Grund. Die Frage, ob man einem amerikanischen Konzern vertrauen kann, wenn er europäischen Datenschutz verspricht, steht in vielen Besprechungsräumen im Raum.
Der Hype der ersten Stunde ist vorbei. „Wenn ich sage, Copilot kann jetzt ein Bild generieren, haut das niemanden mehr vom Hocker", erzählt Sandra. Was bleibt, ist eine nüchterne Neugier und eine wachsende Zahl sogenannter Poweruser, die KI nun auch wirklich als Werkzeug nutzen. Die Einsteiger:innen kommen jetzt nach.
Was Sandra auch spürt: Unsicherheit. Nicht bei den Führungskräften, die KI als Effizienzgewinn verbuchen. Sondern bei jungen Menschen, vor allem ihren eigenen Schülern, die gerade einen Beruf wählen und nicht wissen, ob es diesen Job in fünf Jahren noch gibt. „Wer flexibel bleibt und lernt lösungsorientiert zu denken, ist auf dem besten Weg“, denkt Sandra.
Zwei Jobs, eine Überzeugung: Menschen mitnehmen. Ob im Klassenzimmer oder im Schulungsraum eines Weltkonzerns, Sandra glaubt daran, dass der Wandel nur gelingt, wenn man ihn erklärt. Kurs für Kurs. Betrieb für Betrieb.
Vorarlberg ist dabei. Manchmal tastend, manchmal entschlossen. Aber dabei.