Es ist 7:43 Uhr. Irgendwo in einem Büro arbeitet seit Stunden ein KI-Agent. Es hat Kundendaten ausgewertet, einen Bericht verfasst und drei Präsentationen vorbereitet. Als die erste Mitarbeiterin den Rechner hochfährt, ist die Arbeit fertig. Sie hat geschlafen.
Willkommen in 2026.
KI-Agenten, autonome Programme, die selbstständig planen, entscheiden und handeln, sind gerade dabei, die Arbeitswelt umzuschreiben. Der Unterschied zu dem, was wir bisher kannten, ist fundamental. ChatGPT wartet auf eine Frage und antwortet. Ein Agent bekommt ein Ziel, und erledigt es. Allein. Im März hatten wir unseren ersten Campus Talk mit David Schwarzenbacher, der die KI-Agenten-Plattform Kasal von Databricks mitbegründet hat. Seitdem hat sich einiges getan.
Was die Zahlen verraten
Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat im Frühjahr eine Zahl veröffentlicht, die in der Branche für Aufsehen gesorgt hat: Bis Ende 2026 werden 40 Prozent aller Unternehmenssoftware KI-Agenten enthalten. Vor einem Jahr waren es weniger als fünf Prozent.
Die Ausgaben dafür? Im Vergleich zum Vorjahr um 139 Prozent gestiegen. Mitte Mai stellte Google zwischen neuen Smartphone-Features und Suchmaschinen-Updates etwas vor, was Branchenbeobachter als seinen bedeutendsten Schritt seit Jahren bezeichnen: Google Antigravity, eine Plattform, die von Grund auf für KI-Agenten gebaut wurde. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Google, Microsoft, Amazon, Anthropic, sie alle bauen gerade die Infrastruktur für eine Welt, in der Agenten nicht die Ausnahme sind, sondern der Standard. Plattformen wie Kasal sind Teil genau dieser Bewegung. Unternehmen betreiben laut aktuellen Erhebungen im Schnitt bereits zwölf solcher Agenten gleichzeitig, in Bereichen wie Kundenservice, Buchhaltung, Marketing, Logistik. Der Markt für diese sogenannten Multi-Agenten-Systeme soll bis 2030 jährlich um fast 50 Prozent wachsen.
Was das bedeutet, und was nicht
Hier ist die ehrliche Einordnung: Niemand weiß, wie das alles ausgeht. Prognosen in diesem Tempo irren sich oft. Und ja, viele dieser Zahlen kommen aus Berichten von Unternehmen, die selbst Agenten verkaufen. Aber eines ist schwer zu bestreiten: Die Phase, in der KI-Agenten ein Experiment waren, das Firmen in der Schublade ließen, ist vorbei. Die wirklich spannende Frage ist nicht technischer Natur. Sie ist gesellschaftlicher: Wenn Maschinen die Routinearbeit übernehmen, worauf verwenden wir dann unsere Zeit? Darauf hat im Moment niemand eine befriedigende Antwort. Aber die Anmeldezahlen für unseren Campus Talk im März zeigen: Die Menschen wollen diese Frage stellen. Und das ist ein guter Anfang.
Quellen
Google Cloud — AI Agent Trends 2026: cloud.google.com/resources/content/ai-agent-trends-2026
Salesforce — 8 Ways AI Agents Are Evolving in 2026: salesforce.com/blog/ai-agent-trends-2026
Oracle Deutschland — Fünf KI-Agenten-Trends 2026: oracle.com/de/news/announcement/blog/five-predictions-for-ai-agents-2026-01-20
BeamSec — How Enterprises Are Building AI Agents in 2026: beamsec.com/how-enterprises-are-building-ai-agents-in-2026-from-pilots-to-production
IT Boltwise / Gartner — KI-Agenten 2026: it-boltwise.de/ki-agenten-die-zukunft-der-automatisierung-im-jahr-2026.html