Der Digital Campus Vorarlberg hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für Weiterbildung im digitalen Bereich entwickelt. Am Digital Campus kommen Menschen zusammen um zu lernen, sich auszutauschen und weiterzuentwickeln. Mit eineinhalbtägigen Seminaren bis hin zu mehrjährigen Studiengängen richtet sich das Ausbildungsangebot an eine breite Zielgruppe. Im Interview mit dem IAW-Journal verrät die Geschäftsführerin des Digital Campus Vorarlberg, Eva King, warum es dabei um mehr geht als nur um die Vermittlung digitaler Kompetenzen für den Arbeitsmarkt. Die Vertrautheit einer Gesellschaft mit Digitalisierungsprozessen ist für sie essenziell wichtig.
IAW-Journal: Von Ihnen stammt das Zitat: „Wie wir in Zukunft arbeiten und leben, bestimmen wir als Gesellschaft selbst, und zwar schon heute.“ Wie lautet denn Ihre Vision einer digitalen Zukunft?
Vielfach wird die digitale Zukunft so dargestellt, dass es kein Entkommen aus der digitalen Überwachung gibt. Dass wir total kontrolliert und alle Maschinen intelligent sein werden. Das ist nicht unbedingt meine Zukunftsvision und auch nicht unbedingt eine erstrebenswerte. Weil der Mensch darin eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Das spannendere Zukunftsbild finde ich ein humanistisches, in dem der Mensch diese Entwicklungen sehr stark selbst bestimmen und steuern kann. Wie die technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung eingesetzt werden, können wir entscheiden. Das gilt für Corona Hacks ebenso wie für staatliche Überwachung. Die Entscheidung, in welcher Form sie eingesetzt werden und vor allem wo wir hier eine Limitation setzen, ist etwas, das wir entscheiden können. Dafür brauchen wir digitales Urteilsvermögen und eben nicht nur digitale Skills. Man muss verstehen, was eigentlich passiert, damit man es beurteilen kann.
Es geht nicht nur um digitale Skills, sondern darum, die digitale Welt zu verstehen.
EVA KING Geschäftsführerin Digital Campus Vorarlberg
AW-Journal: Was können sich andere Bildungseinrichtungen im Land vom Digital Campus abschauen?
Wir versuchen mit unterschiedlichen Formaten, ganz geringe Einstiegshürden zu allen Fachbereichen der Digitalisierung zu bieten. Es gibt Ausbildungsmodelle für alle Altersgruppen, eine Vielzahl ist für Quereinsteiger:innen und Branchenfremde konzipiert. Die Digital Masterclasses sind der ideale Einstieg für alle, die aktuelle Trends und Themen der Digitalisierung verstehen wollen. Hier erklären Profis Komplexes einfach, in kurzen, eineinhalbtägigen Seminaren, zu leistbaren Preisen. Das ist etwas, das den Digital Campus auszeichnet.
IAW-Jounal: AK-Präsident Hubert Hämmerle sagt: „Digitale Ausbildung darf nicht exklusiv, sie muss erschwinglich sein.“ Wie kann es gelingen, digitale Weiterbildungsmaßahmen für eine noch breitere Masse zugänglich zu machen?
Für mich ist das ein Glücksfall, dass Hubert Hämmerle so hinter dem Digital Campus steht. Ohne öffentliches Commitment kann eine digitale Transformation nicht funktionieren. Eben weil der Anteil an Nicht-Digital-Natives in der Bevölkerung immer noch so hoch ist. Ein Nachholen dieser Dinge im Erwachsenenalter, ohne dass es öffentliche Finanzierungen für diese Ausbildungs-Maßnahmen gibt, wird nicht stattfinden. Deshalb braucht es ein öffentliches Engagement, damit solche Ausbildungen erschwinglich sind.
